20 | 11 | 2017

Blog zum Festival 2017

Für den 21. Leipziger Literarischen Herbst wurde wieder ein Blog eingerichtet. Beiträge können von allen Besuchern geschrieben und an Logo 21. Leipziger Literarischer Herbstunsere Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
geschickt werden. Die Beiträge werden auf dieser Seite veröffentlicht.

Di., 24. Oktober:

Glanzvolle Eröffnung des 21. Leipziger Literarischen Herbstes (LLH): Ein rappelvoller Saal mit über 320 Menschen im Literaturhaus, ein gut aufgelegter Peter Sloterdijk und sein herausfordernder Gesprächspartner Rainer Totzke alias Kurt Mondaugen - besser hätt's nicht sein können!
Und nun eine ganze Woche Festival - jeden Abend verschiedenste Literatur-Events ... was für eine Wahlqual

Peter Sloderdijk

Foto: Gundula Lasch

Mi., 25. Oktober:

The World of Book Brothers in Ilses Erika:
Schmutzig, albern, blutig
Wenn Roman Israel, Benjamin Kindervatter und Uwe Schimunek als „Book Brothers" eine Lesebühne entern, dann gehören „schmutzige Pointen, skurriler Hinterzimmerhumor und Tote" zum versprochenen Standardprogramm.
Wenn die drei aber wie gestern Abend zu Hochform auflaufen, dann treibt die Realsatire über das Gewinnen der Naturalie für ein Spermiogramm (Kindervatter) dem Publikum die Lachtränen in die Augen. Bei „Wasserspiele" (Israel), die quälend-alberne Geschichte über schmerzhaften Harndrang während einer Flixbus-Fahrt von Berlin nach Prag, kommt dazu noch das unbändige Verlangen, zeitnah eine Toilette aufzusuchen. Da ist man fast erleichtert, wenn eine Schatzsuche in einem ungewollten, aber dafür umso blutigeren Massaker endet (Schimunek). Zugabe!
Gunda Lukanikaki

Do., 26. Oktober:

Grandioser Abend mit einmaliger Performance
Luther im Zentrum eines Romans von einem Schriftsteller türkischer Herkunft. Schon das mutet außergewöhnlich an. An dem spannenden Abend in der Albertina erfährt das Publikum nicht nur, was Feridun Zaimoglu treibt und was ihn dazu bewogen hat, diesen sperrigen Helden, den jungen Luther, ins Zentrum seines neuen Romans „Evangelio" zu stellen: Es wird Zeuge einer eindringlichen Performance, als Zaimoglu aus seinem Werk liest. Wie ein Musikstück zelebriert der Autor seine eigens für diesen Roman geschaffene Tonart – kein nachgeahmtes Luther-Deutsch, sondern eine raue, deftige, dreckige und gleichermaßen präzise Kunstsprache. Und nicht zuletzt wird das Publikum Zeuge eines Gespräches zwischen zwei Männern, die sich lange kennen und nicht an der Oberfläche reden müssen. Literaturkritiker Michael Hametner und Feridun Zaimoglu haben sich seit ihrer ersten Begegnung beim Bachmann-Preis 2003 immer wieder getroffen und über die aktuellen Werke des mittlerweile preisdekorierten Autors diskutiert. So wird der Abend zu einem grandiosen Erlebnis nicht nur von Literatur, sondern darüber hinaus einer Autorenpersönlichkeit mit klarer Haltung: Für Zaimoglu ist der „aufbrausende Gottesmann" Luther trotz seiner durchaus vorhandenen „Widerwärtigkeiten" eine faszinierende, mutige, herausfordernde Schlüsselfigur unserer Geschichte.
GuLasch

Fr., 27.Okober:

Alte Abmeyerei – Clemens Meyer in der Galerie KUB

Am Freitagabend las der Leipziger Autor Clemens Meyer in der bis fast auf den letzten Platz gefüllten Connewitzer Galerie aus dem Werk von Wolfgang Hilbig sowie eigenen Texten. An den Anfang stellte Meyer die brachialerotische Hilbig-Erzählung »Die Weiber« und kontrastierte sie mit einer Passage aus seinem Roman »Im Stein«. Zwischen den Texten wurde immer wieder deutlich, wie viel Hochachtung Meyer diesem besonderen Autor entgegenbringt und wie sehr dieser sein Schreiben beeinflusst hat. Den Abschluss der – auch aufgrund der Kulisse aus großformatigen Gemälden von Hartmut Kiewert – eindrucksvollen Lesung bildeten Auszüge aus Hilbigs Text »Alte Abdeckerei«. Der furiose und von Meyer grandios vorgetragene Schluss dieser Erzählung bildete zweifellos den Höhepunkt des Abends. Alles in allem eine stimmige Veranstaltung, die definitiv Lust auf mehr.

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